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Dienstag, 2020-06-02

Fachtagung: Innovative Schritte zur Autarkie, 5.6.2008

Angesichts der aktuellen Entwicklung von Energiepreisen und Klimawandel ist das Thema Autarkie wieder in aller Munde und Gegenstand politischer Diskussionen.
Die Fachtagung gab für Privathaushalte, Landwirte, Gewerbebetriebe etc. Antworten durch kompetente ReferentInnen aus dem In- und Ausland zu den Fragen:

  • was ist Autarkie? wie ist weitgehende Autarkie zu erreichen?
  • welche Technologien stehen zur Verfügung?
  • wie sind sie zu bewerten?
  • was ist bei der Umsetzung zu beachten?


Autark sein heißt von der Umgebung unabhängig, sich selbst versorgend, auf niemanden angewiesen sein. Ausgehend von den traditionellen Selbstversorgern mit Biomasse hat uns die Entwicklung der letzten Jahrzehnte vom Niedrigenergiehaus über das Passivhaus zum Plusenergiehaus geführt. Nach der Warmwasserversorgung mit Solarkollektoren kamen die (teil)solare Raumheizung und nun auch die Stromversorgung über Photovoltaik oder andere erneuerbare Energieträger. Auch die Mobilität rückt immer mehr in den Focus zukünftiger umweltverträglicher Konzepte.

Um sinnvolle und wirtschaftliche Lösungen zu finden geht der Weg von der Überprüfung unserer Bedürfnisse (Suffizienz) über den sparsamen Einsatz (Effizienz) hin zu innovativen Technologien mit erneuerbaren Energien, abgestimmt mit einem intelligenten Energiemanagement.

Auf der Fachtagung wurden Best-Practise-Beispiele, Visionen bzw. Perspektiven im Wohnbau, verschiedene neue Entwicklungen im Bereich Kleinkraftwerke (Sonne, Wind, Wasser) und Möglichkeiten des Energie(spar)managements präsentiert.

Eine Umstellung auf Erneuerbare Energieträger ist nur in 3-Schritten sinnvoll und machbar:
1. Suffizienz
Autarkie in der Philosophie bedeutet Selbstgenügsamkeit. Weg von der „Verschwendungsgesellschaft“ (z.B. zuerst vollverglaste Fassade, nachher Klimaanlage)
2. Effizienz Planung effizienter Gebäude und Einsatz effizienter Geräte sowie entsprechender Regel- bzw. Steuerungstechnik
z.B. Umwälzpumpen:
lt. DI Dr. Georg Benke von e7 verbrauchen alle Umwälzpumpen 2,2% des österr. Stromverbrauchs, das bedeutet im Winter bis zu 470 MW, statt 40-110 W brauchen moderne Pumpen 10 W, somit sind bis zu 330 MW oder DREI !!! KW von der Größenordnung Freudenau einsparbar. In ganz Europa könnten DREI Atomkraftwerke eingespart werden.
3. Erneuerbare Energieträger:
Im engeren Sinne von Autarkie „eigene“: Sonne, Wind, Wasser, Biomasse

Michael Bockhorni, bei der AEE-NÖ-Wien zuständig für die Bereiche Forschung und Consulting moderierte die Fachtagung die einen Bogen von regionalen Erfindern zu internationalen Forschungsprojekten, von der initiativen Privatperson zu Projekten aus der Wissenschaft, vom Wochenend- oder Sommerhaus bis zum Bürogebäude bzw. Gewerbebetrieb spannte.

Doris Hammermüller, (Geschäftführerin): Die Arbeitsgemeinschaft Erneuerbare Energie steht für eine aktive Strategie um innovativen Technologien den Markteintritt zu ermöglichen:
Zuerst mit Selbstbaukollektoren, später mit Windkraftbeteiligungen und Passivhauskonzepten. Aber auch für ein kritische Beurteilung mancher Entwicklungen bei Erneuerbaren Energien: wie bei Bio- oder besser Agrotreibstoffen aber auch für die verstärkte Umsetzung von dezentralen Versorgungslösungen. Neben der hier gezeigten Palette an neuen Einsatzmöglichkeiten von EE bleibt die bisherigen Notwendigkeit für Energieeffizienz, bestmöglicher Dämmung, Nutzung von Solarenergie für Warmwasser und Raumwärme selbstverständlich bestehen.

DI Franz Angerer (Leiter der Geschäftsstelle für Energiewirtschaft der Landesregierung NÖ):
wies auf die sozialen Folgen der steigenden Energiepreise hin und betonte eine realistische Einschätzung der Einsetzbarkeit verschiedener Kleinkraftwerkstypen.

Ing. Franz Spreitz, hauptberuflich Coach und Berater, hat seinen Traum von Energieautarkie mitten in einem Dorf verwirklicht. Keine Stromleitung führt zu seinem Haus. Er reduzierte seinen Stromverbrauch auf weniger als 1kWh/Tag und versorgt das gesamte Haus mit einer 650 Wp PV-Inselanlage. Anschauliche Darstellung der „Energiepyramide“ sowie der Gegenüberstellung von Investitionskosten und der eingesparten Energiekosten.

BM Ing. Gerhard Zehetner von der Fa. Xenon GmbH, erster klima:aktiv Baumeister Österreichs, Gewinner der „low energy trophy 2004“ sowie des österreichischen SOLARPREISES 2006 präsentierte das Zentrum für Bauen & Energie in Maria Ponsee als Plusenergiehaus, welches durch die TU Graz auch evaluiert wurde.

GF BM Dipl. HTL Ing. Anton Ferle Blitzblau Architektur GmbH (Mondsee) berichtete über realisierte und in Bau befindliche Häuser, im Speziellen über die Bauteilaktivierung am Beispiel des Sommerhauses in Langenlois, ein Aktivhaus aus der Reihe „natürlich.solar“ in Zusammenarbeit mit der Donauuniversität in Krems. Das Gebäude wird ausschließlich von einer thermischen Solaranlage beheizt und mit Warmwasser versorgt. Auf den Einsatz von Wärmepumpe, Wohnzimmerofen & Co wird bewusst verzichtet.

Dr. DI Robert Wimmer GF Obmann der GraT Gruppe angepasste Technologie an der TU Wien, Koordinator nationaler und internationaler Entwicklungs- und Demonstrationsprojekte im Bereich Nachhaltigkeit, Lektor an verschiedenen Universitäten und Berater von Unternehmen und Behörde berichtete von der Vision des „kabellosen“ Haus, Hauses, welches an keinem Netz mehr hängt, sondern mit kleinen, preisgünstigen Solarpaneelen und Energiespeichern, sodass Heizen, Kühlen und Kochen versorgt werden können, energieautark ist. Im Speziellen berücksichtigt er Umwandlungsverluste, die solare Kaskadennutzung (im Mittel- und Niedrigtemperaturbereich), den Solarsterling, Kochen mit Thermoöl und vieles mehr.

DI Susanne Gosztonyi von arsenal research, Projektleiterin für nationale und EU-Projekte, Bereich Energie in Gebäude, Energiefassaden, Energieeffizienz sowie Erneuerbare Energietechnologien mit internationaler Erfahrung in verschiedenen Architekturbüros referierte über die Möglichkeiten der Energiegewinnung im Bereich der Fassade die Wirtschaftlichkeit sowie den notwendigen Planungskriterien.

DI Thomas Lewis, Technischer Physiker, seit acht Jahren Experte im Bereich Erneuerbare Energie und Energieeffizienz, Geschäftsführer der energieautark consulting GmbH. 4 Jahre Leitung des wissenschaftlichen Bereichs für erneuerbare Energie am FH Campus in Wieselburg und jetzt Lektor auch an der Technischen Universität Wien. Er begleitet die Gemeinde Purgstall und Scheibbs auf den Weg zur Energieautarkie, beschäftigt sich mit einer speziellen Anbauart von Weiden und Pappeln für Energiezwecke (Kurzumtrieb) und berichtete über das energieautarke Haus und den dafür nötigen Dimensionierungen bzw. Kosten und Erträge.


Josef Scheinast von der Wohnwerkstatt in Salzburg, einem Klimabündnisbetrieb berichtete über seine Erfahrungen mit Energiesparen in einem Tischlereibetrieb und die Energieerzeugung durch eine Schneckenturbine im Almkanal.

DI Franz Zotlöterer, Ingenieurkonsulent und Techniker beim ORF, St. Pöltner FH-Lektor in den Bereichen Audiotechnik, Elektrotechnik und Nachrichtentechnik. Als Patentinhaber mit mehreren Nominierungen für österreichische Staatspreise präsentierte zwei seiner Erfindungen, das Gravitationswasserwirbelkraftwerk und die Vertikalachsenwindturbine (auch im Vergleich zu anderen Kleinkraftwerkstechnologien). Dabei wurde sowohl realisierte (und in Planung bzw. Bau befindliche) Anlagen anschaulich dargestellt als auch der Weg zur Realisierung von Kleinkraftwerken praxisnah dargestellt.

Ing. Lukas Pawek, von der IG Windkraft, Herausgeber der „ökonews“ berichtete über die ökonomischen, technischen und rechtlichen Perspektiven für Kleinwindkraftwerke.

Dipl. Inf. Jan Ringelstein vom ISET dem Institut für solare Energieversorgung an der Uni Kassel berichtete über DINAR „Dezentrale regenerative Energieversorgungsanlagen: Technische und wirtschaftliche Integration in den Netzbetrieb“ bzw. BEMI „Bidirektionales Energiemanagement für Lasten und Kleinkraftwerke im Niederspannungsnetz.“ Antworten auf die Veränderungen im Strommarkt durch Liberalisierung und Einspeisung erneuerbarer Energieträger einerseits und Verbrauchsoptimierung andererseits.


In der anschließenden Podiumsdiskussion ging es um:

Für die Betreiber / Bewohner stehen folgende Punkte im Vordergrund:

  • Funktions- bzw. Betriebssicherheit
  • Rahmen- bzw. Einsatzbedingungen
  • Kosten/Wirtschaftlichkeit


Dabei sprach sich Doris Hammermüller gegen die unsachliche Bewerbung von Kleinwindkraft und für eine seriöse Beratung aus.

Buffet

Fragerunde

Präsentation

Scheinast Vortrag

Gostonyi Vortrag

Zehetner Vortrag

Wimmer Vortrag

Zotlöterer Vortrag

Downloads

Bidirektionales Energiemanagement für Lasten und Kleinkraftwerke im Niederspannungsnetz

Das Energieautarke Haus

Energiefassaden

Energiesparhaus 400 kWh/a

Keine Heizkosten ein Leben lang? Praxisbericht vom Sommerhaus in Langenlois

Plusenergiehaus in Ponsee Teil 1

Plusenergiehaus in Ponsee Teil 2

Rechtliche Hintergründe von Kleinwindkraftanlagen

Wasserkraft

Windkraft

Zero Carbon Village

Mittwoch, 2008-09-10 10:00 Alter: 12 Years