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Dienstag, 2020-06-02

Sanierungsleitfaden

Zur Ausgangslage:
In den wirtschaftlichen Krisenzeiten der Zwischen- und Nachkriegszeit entstanden in Österreich, im Rahmen von öffentlichgeförderten Siedlungsprogrammen, oder initiiert von Industriebetriebenzur Sicherstellung der Verfügbarkeit von Arbeitskräften, zahlreicheEinfamilienhaussiedlungen. Alle Häuser einer Siedlung entstanden nach einem einheitlichen Plan und unterlagen den Prinzipien der Sparsamkeit und der Notwendigkeit. Kleinere dieser Siedlungen, die zum Teil heute noch ihr einheitliches Erscheinungsbild erhalten haben. Dieser Siedlungshaustyp fand zahlreiche Nachahmung in individuell errichteten Einfamilienhäusern, die im Zeitraum zwischen 1930 und 1965 errichtet wurden. Die Haustypen selbst unterliegen kaumregionalen Besonderheiten und sind bundesweit und auch noch in andereneuropäischen Ländern (zum Beispiel in Deutschland) nach einem nahezueinheitlichen Schema errichtet worden.
Aufgrund seiner kompakten und einheitlichen Bauweise wurde dieser Siedlungshaustyp als besondersgeeignet erachtet zur Erarbeitung von standardisiertenSanierungspaketen und in Folge zur Erstellung eines spezifisch aufdiesen Haustyp abgestimmten Sanierungsleitfadens. Die kostengünstigeBauweise brachte es mit sich, dass die Häuser eine schlechteBausubstanz, im Vergleich zu heutigen Standards hohe Energiekennzahlen,veraltete Installationen mit hohen Energieverlusten und niedrige,beengte Räume mit geringemLichteinfall aufweisen. Durch den zu erwartenden Generationenwechselist ein hohes realistisches Sanierungspotential zu erwarten
Ziel war es, einen Leitfaden mit Planungsgrundlagen für die Sanierung anzubieten, in dem von Beratungs- und Umsetzungsvorschlägen (Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen zur Verbesserung der Wohnqualität, energetische Optimierung etc.) bis hin zu konkreten Planungsdetails alles zu finden ist, um den Standard eines Niedrigenergiehauses oder Passivhauses zu erreichen. Gut durchdachte Lösungen, deren Kosten und Nutzen überprüft und deren Einsparungspotentiale weitgehend bekannt sind, sollen zur Umsetzung einer nachhaltigen Sanierung motivieren und bestehende Informationsdefizite ausgleichen.
Beispiele von bereits sanierten Siedlungshäusern zeigen, dass bei einer optimal abgestimmten Sanierung für diesen Gebäudetyp Einsparungen von bis zu 77 % des Heizenergieverbrauches erreichbar sind. Darüber hinaus kommt eine Studie der Niederösterreichischen Landesakademie zudem Schluss, dass mit 70 % der weitaus größte Teil der möglichen Energieeinsparungspotentiale bei der Sanierung der Bauteile von Ein- und Zweifamilienhäusern zu finden ist. Daraus lässt sich schließen, dass künftig in die Information und die Motivation von EigentümerInnen von Ein- und Zweifamilienhäusern mehr investiert werden muss, möchte man nachhaltige Veränderungen erreichen.

Energieeinsparungspotenzial:
Die Erhebung des Bauzustandes anhand von ausgewählten Siedlungshäusern ergab, dass die Energiekennzahl des Bestands im Vergleich zum heutigenNeubaustandard (85 kWh/(m²a)) drei- bis viermal so groß ist. Der relativeAnteil der möglichen Energieeinsparung entspricht in etwa folgendem:

  • Durch Dämmung und vollständigen Ausbau des Dachgeschoßes kann ca. ein Drittel des Wärmebedarfs eingespart werden.
  • Durch zusätzliche Dämmung der Außenwand können fast zwei Drittel bis drei Viertel des Wärmebedarfs eingespart werden.
  • Der Wärmebedarf kann um weitere 10% durch die Dämmung der Kellerdecke reduziert werden.
  • Der Einbau einer Lüftungsanlage bringt nur mehr eine weitere Einsparung im Ausmaß von etwa 5%.
    Die Untersuchungen zeigen, dass der Energiebedarf der bestehenden unsanierten Siedlungshäuser mittels geeigneter Sanierungspakete auf denheutigen Standard eines Neubaus (70-85 KWh/m²,a) bzw. auf den eines Niedrigenergiehauses (<40 kWh/m²,a) gebracht werden kann.


Es können folgendeSchlussfolgerungen gezogen werden:

  • Hinter einer umfassenden Althaussanierung stehen meist mehrere Motive: die Erhöhung des Komforts und der Behaglichkeit, die Notwendigkeit Reparaturen durchzuführen, der Wunsch nach besserer Aufteilung der Räume oder nach zusätzlichen Räumen sowie eine günstige Finanzierungsform durch öffentliche Althausförderungen.
  • Die frühesten Sanierungen liegen schon 40 Jahre zurück. Bei jenen Häusern ist relativ bald mit neuem Sanierungsbedarf zu rechnen. WenigeHäuser sind noch im ursprünglichen Zustand und werden erst im Zugeeines Eigentümerwechsels (Erbschaft oder Kauf) saniert werden.
  • Vergleicht man die durchschnittliche Dauer der zurückliegenden Sanierungen mit der durchschnittlichen Nutzungsdauer der einzelnen Bauteile, dann besteht bei der Heizung am ehesten Sanierungsbedarf. DieModellberechnungen zeigen, dass hier beträchtliche Kosten- und Energieeinsparungspotenziale in den Siedlungshäusern vorhanden sind.
  • Das Interesse an Erneuerbarer Energien ist eher gering. Die Einstellung zur genutzten Energie - mehrheitlich Gas - ist eher pragmatisch zu sehen, weil Gas von der EVN in den letzten Jahren starkbeworben wurde.
  • Es besteht hohes Interesse an produkt- und firmenunabhängiger Information im Besonderen über energiesparende und komfortverbessernde Maßnahmen (Vollwärmeschutz, Fenster, Solaranlage, Lüftungsanlage etc.).Jedoch besteht wenig Bereitschaft, für diese Leistung zu zahlen.
  • Bezüglich der Verbesserung einzelner Bauteile zeigen sich große Informationsdefizite z.B. beim Vollwärmeschutz, weil Sanierungsabläufefalsch geplant werden: zuerst Erneuerung der Heizung, dann der Fenster und erst in einem weiteren Schritt wird die Wärmedämmung in Angriff genommen.
  • Entscheidungen werden eher nach ästhetischen Aspekten als nachbautechnischen Notwendigkeiten getroffen (durch Vollwärmeschutzentstehen tiefere Fensternischen, die als „nicht schön“ bezeichnet werden).
  • Das Interesse jüngerer Personen insbesondere Jungfamilien für nachwachsende Rohstoffe ist eher hoch. Letztendlich ist aber der Preis für die Entscheidung für oder gegen ökologische Materialienausschlaggebend.
  • Hinsichtlich der Veränderungen der Räume bestehen Wünsche nach offeneren Grundrissen, direkten Zugängen vom Wohnraum in den Garten sowie größeren Abstellflächen (Gartengeräte, Werkstatt, Fahrräder etc.).
  • Die Finanzierung von Teilsanierungen wird auch künftig eher durch Eigenmittel sichergestellt. Das Einbringen von Eigenleistungen wirdvielfach eingeplant. Darlehen werden vor allem für Generalsanierungen (bei Generationenwechsel oder Kauf) und größeren Sanierungen, wie Fassaden- und Dacherneuerung, in Anspruch genommen.
  • Sanierungsinteressierte EigentümerInnen suchen umfassende und gutverständliche Informationen über die verschiedenen Förderungsmöglichkeiten.
  • Die Bereitschaft für siedlungsübergreifende Sanierungen ist kaum vorhanden, weil die Befürchtung besteht, dass die Entscheidungen für ein gemeinsames Produkt bzw. für einen gemeinsamen Zeitraum der Durchführung nicht zustande kommen.


Sanierungsleitfaden, Sanierungspakete:
Die Erhebung der Energiekennzahl bei einem aus der Bestandserhebung heraus entwickelten prototypischen Siedlungshaus hat gezeigt, dass bei ambitionierter thermischer Sanierung die Energiekennzahl auf bis zu 8%des Ausgangswertes reduziert werden kann. Damit einhergehend wäre eineCO2-Einsparung von ursprünglich über 11.000 kg auf ca. 1800 kg möglich. Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll das hohe Potenzial, das in der Sanierung von Einfamilienhäusern aus der Baugeneration zwischen1930 und 1965 liegt.
Nachdem es einerseits nur durch ein Zusammenspiel verschiedenster Maßnahmen möglich sein wird, die BenutzerInnen und EigentümerInnen zueiner ambitionierten thermischen Sanierung zu motivieren und, wie dieBefragung ergeben hat, Sanierungen sehr häufig in Eigenregie und in Form von Teilsanierungen einzelner Bauteile erfolgen, kommt demWissensstand und der Verfügbarkeit von gut ausgearbeiteter Fachinformation ein besonderer Stellenwert zu.

Haus  der Zukunft

Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft mbH (FFG)

Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie

Links:
Programmlinie Haus der Zukunft http://www.hausderzukunft.at/
Publikationen Haus der Zukunft http://www.hausderzukunft.at/publikationen/endberichte.htm?limit=all

Projektpartner:
Institut für Ressourcenschonende und Nachhaltige Systeme
Technische Universität Graz
Projektgemeinschaft "Neue Standards für alte Häuser"
IBO – Österreichisches Institut für Baubiologie und –ökologie Gmbh
Die Umweltberatung
Bramac Dachsysteme International GmbH
Arch. DI Kurt Karhan
Arch. DI Wolfgang Junger

Auftraggeber:
bmvit: haus der zukunft

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Sanierungsleitfaden

Dienstag, 2008-01-01 10:00 Alter: 12 Years